Tag Archives: besprechung

❤ Intro

Ich wollte mich an dieser Stelle eigentlich drüber aufregen wie schlimm das am wenigsten beschissene braunschweiger Stadtmagazin, das Subway, ist, vor allem nach dem Verlust von Hartmut el Kurdi als Mann der letzten Seite (ich hab mich da schonmal drüber ausgelassen). Im Grunde wär’ das nach einigem Nachdenken aber nicht anders als der unsägliche Kolumnist, der el Kurdis Nachvolge in keinster Weise gerecht wird und sich in der neusten Ausgabe über die Inhaltslosigkeit von Wahlplakaten ausläßt, ohne zu bedenken das Wahlplakate – um es philosophisch auszudrücken – vom Ding her inhaltslos sind (die Inhalte einer Partei in einen Satz mir max. vier Wörtern zu quetschen führt zwangläufig zu Phrasendrescherei).* Vom Ding her sind Provinzmagazine aber auch scheiße, insofern will ich das jetzt nicht vertiefen.

Von meinem – neben der abgedrehten Vice und dem Carhart-Hausmagazin Rugged, die beide hier in der Provinz schwer zu fassen sind – Lieblings-Umsonstmagazin Intro gibt es nämlich witziges zu berichten: Beim Herumlesen in #175 stieß ich auf eine Anzeige von der VW-Soundfoundation (da sind wir dann wieder im Dunstkreis Brauschschweig/WOB) wo es um den »ebenso jungen wie talentierten« Rapper F.R. aus, genau, Braunschweig geht, der bei einer Tribute-CD für die Fantastischen Vier mitgewirkt hat. Schön für ihn, aber jemand, der sich nicht zu scheiße dafür ist mit einem Nike-T-Shirt auf einem Photo aufzutauchen, kann mir sowieso gestohlen bleiben.

Das ausufernde Geschwafel der Anzeige liest sich in etwa so:

»Das weiß auch F.R.s Mangement[WTF???]: ›F.R. freut sich sich sehr, den Fantas die Ehre zu erweisen zu dürfen, denn immerhin ist die Band ein Jahr älter als er selbst.‹ Auch die Gästeliste des Albums sei sehr imposant […]«

Soweit, so ekelhaft. Wenn man aber eine Seite weiter nach vorne blättert wird es richtig witzig: hier regt sich Marco Fuchs in der negativsten Weise über die Tribute CD auf, die ich jemals in einer Plattenreview gelesen habe:

»Zum zwanzigjährigen Jubiläum der Herren Smudo & Co. erscheint eine “Hommage” an Fanta 4, die in ihrer Künstlerauswahl und Qualität der nachgespielten Songs eine neue Dimension des Schwachsinns einläutet, die man in dieser Art und Weise für nicht möglich gehalten hätte.«

Die Schmähschrift mündet dann in Folgendem:

»Ein schockierendes Dokument absoluter Irrelevanz, dem Mario Barth in der ihm so eigenen unsympathischen Weise noch das Sahnehäubchen aufsetzt. 36 Songs, die einem mit ostentativer Grausamkeit Lebenszeit entziehen, dass einem die Luft wegbleibt. Wer nach 25 Jahren Musikhören glaubt, er habe schon ins Auge der Belanglosigkeit geblickt, wird hier eines Besseren belehrt. Unglaublich, wahrlich unglaublich.«

Wunderschön, wahrlich wunderschön!

*Ich hab mich ja auch schon über Wahlplakate aufgeregt, hoffe aber, daß das aus meiner Design-Sicht wenigstens ein bischen sinnvoll war.

jfml | musik | | Kommentare geschlossen | Wednesday, September 23rd, 2009

Buch: Thomas Pinchon – »Vineland«

Ich habe mir, weil ich unbedingt was zu lesen brauchte, auf meinem Istanbul-Urlaub in der Robinson Crusoe-Buchhandlung wahllos* ein Buch von Thomas Pynchon gekauft, weil ich über den Herrn bisher nur Positives gelesen hatte. Abstrus und wahnsinnig sollte es sein, mit unendlich vielen Querverweisen und Verschwörungstheorie-Paranoia. Letzteres gab’s dann wenigstens auch, die ganze Zeit sind irgendwelche amerikanischen Geheimdienste dabei irgendwas düsteres auszubrüten und Menschen zu manipulieren. Spannend ist das nur bedingt

Auch ansonsten war ich mehr als enttäuscht. Das liegt vielleicht an meiner Ignoranz, daran daß ich die sprachliche Schönheit nicht erkenne oder so, aber inhaltlich kommt mir das Buch – das ich nach zwei Dritteln abgebrochen habe – vor, als könnte man daraus sehr gut einen Hollywood-Film machen. Und anders als bei Peter Høegs »Das stille Mädchen«, bei dem sich beim Lesen auch ein sehr actionreicher Film im Kopf abspielt, ist dieser Film einfach nur durchschnittlich (im Gegensatz zu »Vinlenand« ist Høegs Buch nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich eine Wucht).

Völlig verloren hat »Vineland« an dem Punkt, an dem eine Figur in Japan asiatische Kampfkünste lernt. Das ist jetzt wieder eine von meinen persönlichen Aversionen, daß ich es irgendwie nicht sehen/lesen mag, wenn Gaijins versuchen Ninjas zu werden aber ab dieser Wendung fand ich das Buch einfach nur lächerlich. Hinzu kommen dann noch die Episoden, die in der Hippie-Zeit spielen, eine Epoche, die mich auch nie faszieniert hat.

Einer der Klappentexte preist das Buch als großen amerikanischen Roman und ich musste es deswegen beim Lesen immer unbewusst mit Neil Gaimans »American Gods« vergleichen, weil das für mich persönlich ein großer amerikanischer Roman ist. Und Gamains Amerika gefällt mir besser (bzw. bei Gaiman hatte ich das Gefühl, wirklich auf sowas wie die Seele Amerikas vorzustoßen, weites Land, düster und bedohlich, Leere, vorschrobene Menschen, Motels, Kleinstädte etc.), aber das ist ja auch Fantasy-Schund, da steh’ ich halt einfach mehr drauf.

Am meisten erinnert mich »Vineland« leider an das auch sehr enttäuschende »Illumminatus!« von Robert Shea. Ich weiß, daß das bestimmt ein fieser, unzulässiger Vergleich ist aber beide Bücher waren für mich ähnlich langweilig und lächerlich. Selten habe ich in letzter Zeit so etwas enttäuschendes gelesen.

Dann lieber nochmal Neil Gaimans »American Gods«.

*Da bei englischen Büchern ja meist nur immer gleicher Lobhudelquatsch und wenn überhaupt nur eine meist fast genauso wenig aussagekräftige und nur zwei Sätze lange Inhaltsangabe auf den Umschlag gedruckt werden, habe ich mich für ein mitteldickes Buch entschieden. Im Nachhinein vielleicht nicht das beste Auswahlkriterium …

jfml | literatur | | Kommentare geschlossen | Saturday, August 1st, 2009

»Gusha no bindume«

a.k.a. »Gusher No Binds Me« a.k.a. »Hellevator« a.k.a. »The Bottled Fools«.

O mein Gott, O mein Gott, O mein Gott, endlich wieder ein Film bei dem man die ganze Zeit denkt: »Warum können die in Deutschland nicht so krasse Filme machen?« Klar, man merkt ein bischen, daß es nicht unendlich viel Geld für den Film gab, aber das tut einem Film ja manchmal auch sehr gut (siehe »Cube«).

Bißchen schade (und je länger man drüber nachdenkt desto mehr), daß nicht genau geklärt wird, was die Ursache für die mentale Verfassung von Luchino ist. Auch wär ein bischen weniger Splatter vielleicht mehr gewesen aber nur um das mal klar zu stellen: entgegen der Meinung von gewissen Kommentatoren bei imdb.com ist dieser Film um Klassen besser als Kram wie »Resident Evil«. Popcorn-Kino vs. Independent-Underground-Splatter-Sci-Fi? Wer da wohl gewinnt.

Spannend auch die Parallelen zu Tsutomu Niheis »Blame!«. Ich bin mir sicher, daß das zufällige Ähnlichkeiten sind und sie sind auch nicht besonders groß, mal abgesehen von dem Ausgangspunkt, daß beide Welten in Ebenen aufgebaut sind gibt es da natürlich nicht viel. Außer vielleicht der Stimmung, wenn sie mal einen Realfilm von »Blame!« machen sollten, dann bitte so, dieser Film hat genau dieses Gefühl von Enge, Klaustrophobie, Düsternis und Hoffnungslosigkeit, wie »Blame!« in seinen besten Momenten.

Also: Kaufen, kaufen, kaufen, »Blame!«-Fans noch mehr als alle anderen.

Haruki Murakami – »After Dark«

Haruki Murakami ist zurück! Nach dem eher mittelguten »Kafka am Strand« jetzt ein aktuelles Werk, das ein Kleinod im wahren Sinne des Wortes ist. In sehr, kurzes, kompaktes Buch, daß sich wunderbar lesen lässt und obwohl es nicht den whiskeytrinden, arbeitslosenden Mittvierziger zum Helden hat wegen dem ich Haruki Murakami so schätze, vereint dieses Buch doch alle Eigenschaften, die seine Werke so einzigartig machen: wunderbare Beschreibungen des japanischen Alltags, die in jedem, der regelmäßig japanische Filme sieht und liebt wohlige wohlige Gefühle hervorrufen wird, gepaart mit einer einzigartigen Mystik, die auf seltsame Weise diesen Alltag aufbricht ohne im gerinsten esoterisch zu wirken.

Das Buch ist vor allem so gut, weil es so reduziert ist. Während »Kafka am Strand« teilweise etwas ziellos wirkte beschränkt sich Murakami in diesem Buch auf eine einzige Nacht und ein paar Orte und schafft es trotzdem Charaktere aufzuzeichnen, die sich entwickeln und die man liebgewinnt. Auch sehr schön ist es, daß es keine billige Erklärung für die phantastischen Teile des Buches gibt.

Ein einziges etwas störendes Manko hat das Buch: Murakami verwendet hier teilweise ein literarisches Mittel zur Beschreibung von Beobachtungen, die mehr als stümperhaft wirkt: Er führt eine Kamera oder ein Auge ein, dessen Sicht in der »Wir«-Form beschrieben wird. Dies soll wahrscheinlich den jeweiligen Passagen des Buches einen filmischen touch geben, allerdings wirkt es zumindest in der deutschen Übersetzung mehr als plump, wenn Murakami sagt »Wir fahren noch etwas näher an die Schlafende heran,…«. Diese Passagen lesen sich wie Auszüge aus einem Drehbuch, haben aber in Murakamis wunderbaren Büchern nichts verloren. Unverständlich warum er dieses Mittel eingeführt hat bleibt dies vor allem, wenn man bedenkt, wie gewandt er sonst mit Worten umgeht, da es ihm eigentlich leicht hätte fallen müssen solche Szenen im Kopf des Lesers zu erzeugen ohne mit einer Haudrauftaktik eine Kamera zu installieren um dem Leser zu zeigen wie diese Szenen gemeint sind.

Bleibt zu hoffen, das es sich hierbei um einen Ausrutscher in diesem ansonsten wunderbaren Buch handelt.

jfml | literatur, reviews | | Kommentare geschlossen | Sunday, November 20th, 2005

»Casshern«

Genau wie »Ghost in the Shell – Innocence« einer dieser Filme, die ich beim ersten Mal eher geht so finde und dann beim zweiten Mal recht begeistert bin.

»Casshern« ist ein Effektfeuerwerk sondergleichen, aber im Gegensatz zu den meisten Hollywood-Produktionen dieser Art sind die CGI’s nur an sehr wenigen Stellen störend. Erfreulich selten meint man, daß es jetzt doch vieleicht ein bischen weniger getan hätte. Erstaunlicherweise schafften die Macher es durch die massive farbliche Nachbearbeitung der Realszenen diese sehr gut mit den computergenerierten Teilen zu verbinden, so daß zumeist ein sehr einheitliches Bild entsteht. Natürlich ist auch die nachträgliche Colorierung und andere Effekte, ich sage nur »Bearbeiten -> Effekte -> Glow«, an einigen Stellen übertrieben, aber all das bewegt sich noch gerade im Bereich des Erträglichen.

Natürlich ist »Casshern« Blockbuster-Kino erster Güte, der merkwürdige altertümliche 50er-Jahre-Sci-Fi-Stil, dessen Vater wohl »Dark City« ist, der aber in letzter Zeit irgendwie zum Mainstream verkommt, wirkt leider etwas abgekaut, nichtsdestotrotz ist »Casshern« um Längen besser als andere »neue« Science-Fiction Filme wie zum Beispiel »Equilibrium«. Der direkte Vergleich mit »Sky Captain and the World of Tommorow« wäre hier sicher interessant und angebracht, allerdings habe ich den Film bisher nicht gesehen.

Inhaltlich ist »Casshern« überraschend stark. Während das meiste Effektkino ja weder mit einer brillianten Story (über die ich mir auch bei Casshern mal kein Urteil erlauben will) noch mit so etwas wie brillianten Tiefgang aufwarten kann beschäftigt sich »Casshern« – leider teilweise weit hinter der Grenze zum Kitsch – mit Themen wie Krieg, Genozit, Wiederauferstehung, Klonen etc. So wird der Film zu einer bildgewaltigen Parabel über Gewalt und Liebe, Vergeben und Hass und kann insofern zumindest als Anwärter für einen Science Fiction-Klassiker gesehen werden, die sich ja immer auf philosophischer Ebene mit den grundlegenden Fragen unseres Dasseins beschäftigen, was Hollywood leider vergessen zu haben scheint.

Schade ist, daß die Rolle der Luna – wie in solchen Filmen ja gern – relativ farblos und unbedeutend wirkt. Starke Frauen, die einen gleichberechtigten Part in der Geschichte spielen und nicht nur schmachtendes, ästhetisches Beiwerk sind, ist in dieser Art des Kinos wohl immer noch Utopie. Trotz alledem ist der Film grade wegen seiner beiden Hauptdarsteller ein Augenschmaus, es macht Spaß Tetsuya mit seinem an »Blame!« gemahnenden Anzug und seinen vemeindlichen Gegenspieler mit den weissen Haaren, der merwürdigen Frisur und dem blendend roten Umhang zuzusehen.

»Last Exile« #1

Das war ja mal nur derbe.

Wie es sich bei einer ersten Episode gehört, habe ich keinen Plan worum es genau gehen soll, aber die Designs sind wunderbar, Erinerungen an die schönen Flugszenen in »Porco Rosso« und »Laputa« bahnen sich bei mir an. Auch dieser 18th-Century-look ist sehr gut, hier kann man dann Parallen zu »Steamboy« sehen und wenn die Charactere »Claus« heißen hat man immer wieder Spaß an der Originalfassung. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese sich anbahnende Kriegsstory toll finden soll, aber mit Sicherheit werden sie auch noch andere Elemente einstreuen und dann ist es okay.

Dies war zwar der Pilot, insofern kann es sein, daß die Qualität bei der nächsten Folge doch ein bischen abnimmt, aber diese Episode war echt irre. Kinoqualität. Und gute CGI, sie haben es einfach drauf die Japaner, wenn einer das vernünftig hinbekommt Computereffekte mit Cel-Animation zu verbinden dann natürlich sie, war klar.
»GitS 2« war noch so die Aufwärmphase aber jetzt sind sie auf einem echt guten Weg in eine perfekte Verschmelzung hinzubekommen, die mir echt Spaß macht.

Ich glaube ich bin kein Fan von den Charakterdesigns der Hauptdarsteller – vor allem nicht von Lavi – die sind mir zu kindlich, da ist mir dieser junge Soldat Moran (?) doch sympatischer. Aber Hallo?, diese Animationsqualität, fantastisch. Stimmige, aufwendige Farbgebung, gut studierte Bewegungen, schönes Spiel mit Licht und Schatten.

Mehr davon!

jfml | anime, reviews | | Kommentare geschlossen | Saturday, November 12th, 2005

»Serial Experiments Lain« – Layer 12

Habe gerade zum Abendbrot die vorletzte Episode, »Landscape«, gesehen (dieser Titel erschließt sich mir ja jetzt noch weniger als die meisten anderen). Knallerepisode.

Der Schlußteil in dem Arisu zu Lains Wohnung geht und sie einen kleinen Zwist mit Gott haben war mal wieder einer der Höhepunkte der Serie. Sehr schön und sehr, sehr aufwendig animiert, wunderbare Licht- und Schatten-Effekte. Und diese Andeutung einer lesbischen Liebe (wenn das jetzt nicht wieder auf einer Metaebene gemeint war) war natürlich auch sehr sweet.

Vieles von diesem theoretischen Science-Fiction-Kram verstehe ich überhaupt nicht, aber da bin ich wahrscheinlich nicht allein. Was mir aufgefallen ist, ist daß Lain sich irgendwie zu entwickeln scheint, sie wirkte in dieser Folge sehr viel selbstbewusster und sicherer als am Anfang, das ist eine schöne Entwicklung. Sowieso gefällt mir das an der Serie, daß sie diese sehr komplexen Theorien praktisch der coming-of-age-story Lains gegenüberstellen, ein ja in Animès erfreulich häufig auftauchendes Element, auch hier finde ich gibt es irgendwie Parallelen zu »EVA«.

Ich bin gespannt auf das Finale.

jfml | anime, reviews | | Kommentare geschlossen | Friday, November 11th, 2005