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Virtuelle Welten

Dienstag, Juli 20th, 2010

Sweet, hier noch ein Artikel aus meinem Archiv, passt ganz wunderschön, weil ich grade Tad Williams genialen Otherland-Zyklus zu genau dem Thema verschlinge:

Mh, das ist jetzt nichts weltbewegendes aber ich merke beim Spielen von Computer- und Konsolenspielen in letzter Zeit immer öfter, wie ich mich auf so eine Meta-Ebene begebe, d. h. daß mir beim Spielen klar wird, daß das was ich sehe nur eine Reihe von Codes ist, letztendlich aber nicht wirklich existiert. Und doch – und das ist grade das Interessante daran – ist die Realität von Computerspielen letztendlich nicht so sehr von unserer entfernt. Noch interessanter wird es dann, wenn man sich vorstellt, daß diese Welten umso realer werden als daß ich mit realen Menschen, die diese Spiele auch gespielt haben darüber reden kann. Daß ich mich mit einem anderen Oblivion-Spieler darüber unterhalten kann ob man eher ein Haus in Bruma oder in Anvil kaufen würde. Abstrakter: Ist ein Traum irgendwann noch von der Realität zu unterscheiden, wenn wir alle denselben haben?

Computerspiele gehen hier noch einige Schritte weiter als ein Buch, das eine feste Handlung hat und bei dem andererseits sich jeder selbst ausmalt wie die beschriebenen Orte und Personen aussehen. Beim Film sind die Orte und Personen – genau wie beim Computerspiel – visualisiert aber die Handlung ist starr und der Betrachter kann nicht interagieren. Das Computerspiel ist von den heutigen Medien dasjenige, daß einem am meisten Handlungsfreiraum lässt und ist insofern unserer Realität am nächsten ist. Natürlich unterscheiden sich Spiele immer noch mehr als deutlich von unserer Realität und man stolpert manchmal sehr drüber. Ich fragte mich zum Beispiel bei Oblivion einmal, als ich in eine, mir noch nicht bekannte Stadt kam, wo wohl die Schule sei, bis mir aufging, daß es in dem Spiel überhaupt keine Kinder gibt (schon krank, im Grunde).*

* Was ja bei Fable (übrigens ein ganz schreckliches Spiel, für mich vor allem vom Look her) anders ist und wo einen auch ein Lehrer in einem Quest bittet, ihm Bücher für die Schule zu sammeln. Kinder sind allerdings ein bischen heikel, Peter Molyneux berichtete mal in einem Interview, daß bei einem Testspiel zu Fable jemand einen Haufen Kinder massakriert hat, was sie dann irgendwie nachdenklich gestimmt hat (an dieser Stelle jetzt wieder die üblich Ballerspiel-Diskussion).

Ballerspiel-Berichterstattungs Fail

Donnerstag, Juli 30th, 2009

Ich hab irgendwie die sehr naive Vorstellung, daß Journalisten sich mit der Materie auskennen sollten über die Sie schreiben. Daß das völlig realitätsfremd ist und meist einfach nur ein bischen recherchiert und dann ein Artikel zurechtgestückelt wird, will ich irgendwie nicht wahrhaben. Ist aber natürlich so. Traurig sind dann so Sachen, wie dieser Artikel im UniSpiegel über einen professionellenCounterstrike Spieler. Grade von der Studentenausgabe vom Spiegel würde man ja vermuten, daß sie ein bischen mehr dran sind an der Materie. Leider scheint hier aber mal wieder jemand am Werk gewesen zu sein, die von der Materie wenig bis keine Ahnung hat.

Der Artikel ist das übliche Blah-Blah für Leute, die das erste Mal was über das Thema lesen und stellt einigermaßen gleichberechtigt die unterschiedlichen Positionen zum Problemkomplex da, wobei ich manchmal ein unterschwelligen Drall hin zur »Ballerspiele = böse«-Fraktion zwischen den Zeilen gemerkt zu haben meine (allein der Begriff »Ballerspiel« ist ja schon etwas negativ und mag er noch so sehr im Sprachgebrauch verankert sein). Vielleicht ist das aber auch meine Subjektive Interpretation, da die Autorin es anscheinend eher ordentlich mag und somit mit mir nicht viel gemein haben kann, wenn sie ernsthaft Sätze wie diesen ablässt:

»Darunter ein paar postpubertäre Pickelgesichter mit Nietengürteln, Militärhosen oder Totenkopf-Shirts, vor allem aber nette Durchschnittstypen wie Stolle alias Moon.«

Richtig schlimm wird es aber, wenn es um die Materie an sich geht: am Anfang des Artikels wird Wow als »Das Kriegsdrama vor mittelalterlicher Fantasy-Kulisse« bezeichnet, was wohl schon an sich eine der verquersten und unzureichensten Beschreibungen von World of Warcraft ist, die ich bisher gelesen habe. Völlige Unkenntnis zeigt die Autorin dann, wenn das Spiel am Ende des Artikels nochmal (natürlich im Zusammenhang mit Computerspielsucht) genannt wird, wo es plötzlich heißt:

»Jede freie Minute sei für das Schieß-Spiel “WoW” draufgegangen, damals«

Wie genau kommt man dazu solche Fehler zu machen? Man muss ja wirklich überhaupt nichts über WoW wissen und auch nicht mal auf die Seite gegangen zu sein, um es als Schieß-Spiel zu bezeichnen.

Wie immer ist das eigentlich Erschreckende daran, daß man ja davon ausgehen muss, daß solche Fehler ständig und überall passieren, nur daß man sie einem bei Themen, von denen man selbst nicht so viel Ahnung hat niemals auffallen werden. Ich will gar nicht wissen, wie viele falsche Informationen (unwissentlich) über richtig komplexe Themen wie z. B. die Finanzkrise verbreitet werden.