Buch: Thomas Pinchon – »Vineland«

Samstag, 01. August 2009

Ich habe mir, weil ich unbedingt was zu lesen brauchte, auf meinem Istanbul-Urlaub in der Robinson Crusoe-Buchhandlung wahllos* ein Buch von Thomas Pynchon gekauft, weil ich über den Herrn bisher nur Positives gelesen hatte. Abstrus und wahnsinnig sollte es sein, mit unendlich vielen Querverweisen und Verschwörungstheorie-Paranoia. Letzteres gab’s dann wenigstens auch, die ganze Zeit sind irgendwelche amerikanischen Geheimdienste dabei irgendwas düsteres auszubrüten und Menschen zu manipulieren. Spannend ist das nur bedingt

Auch ansonsten war ich mehr als enttäuscht. Das liegt vielleicht an meiner Ignoranz, daran daß ich die sprachliche Schönheit nicht erkenne oder so, aber inhaltlich kommt mir das Buch – das ich nach zwei Dritteln abgebrochen habe – vor, als könnte man daraus sehr gut einen Hollywood-Film machen. Und anders als bei Peter Høegs »Das stille Mädchen«, bei dem sich beim Lesen auch ein sehr actionreicher Film im Kopf abspielt, ist dieser Film einfach nur durchschnittlich (im Gegensatz zu »Vinlenand« ist Høegs Buch nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich eine Wucht).

Völlig verloren hat »Vineland« an dem Punkt, an dem eine Figur in Japan asiatische Kampfkünste lernt. Das ist jetzt wieder eine von meinen persönlichen Aversionen, daß ich es irgendwie nicht sehen/lesen mag, wenn Gaijins versuchen Ninjas zu werden aber ab dieser Wendung fand ich das Buch einfach nur lächerlich. Hinzu kommen dann noch die Episoden, die in der Hippie-Zeit spielen, eine Epoche, die mich auch nie faszieniert hat.

Einer der Klappentexte preist das Buch als großen amerikanischen Roman und ich musste es deswegen beim Lesen immer unbewusst mit Neil Gaimans »American Gods« vergleichen, weil das für mich persönlich ein großer amerikanischer Roman ist. Und Gamains Amerika gefällt mir besser (bzw. bei Gaiman hatte ich das Gefühl, wirklich auf sowas wie die Seele Amerikas vorzustoßen, weites Land, düster und bedohlich, Leere, vorschrobene Menschen, Motels, Kleinstädte etc.), aber das ist ja auch Fantasy-Schund, da steh’ ich halt einfach mehr drauf.

Am meisten erinnert mich »Vineland« leider an das auch sehr enttäuschende »Illumminatus!« von Robert Shea. Ich weiß, daß das bestimmt ein fieser, unzulässiger Vergleich ist aber beide Bücher waren für mich ähnlich langweilig und lächerlich. Selten habe ich in letzter Zeit so etwas enttäuschendes gelesen.

Dann lieber nochmal Neil Gaimans »American Gods«.

*Da bei englischen Büchern ja meist nur immer gleicher Lobhudelquatsch und wenn überhaupt nur eine meist fast genauso wenig aussagekräftige und nur zwei Sätze lange Inhaltsangabe auf den Umschlag gedruckt werden, habe ich mich für ein mitteldickes Buch entschieden. Im Nachhinein vielleicht nicht das beste Auswahlkriterium …

Ballerspiel-Berichterstattungs Fail

Donnerstag, 30. Juli 2009

Ich hab irgendwie die sehr naive Vorstellung, daß Journalisten sich mit der Materie auskennen sollten über die Sie schreiben. Daß das völlig realitätsfremd ist und meist einfach nur ein bischen recherchiert und dann ein Artikel zurechtgestückelt wird, will ich irgendwie nicht wahrhaben. Ist aber natürlich so. Traurig sind dann so Sachen, wie dieser Artikel im UniSpiegel über einen professionellenCounterstrike Spieler. Grade von der Studentenausgabe vom Spiegel würde man ja vermuten, daß sie ein bischen mehr dran sind an der Materie. Leider scheint hier aber mal wieder jemand am Werk gewesen zu sein, die von der Materie wenig bis keine Ahnung hat.

Der Artikel ist das übliche Blah-Blah für Leute, die das erste Mal was über das Thema lesen und stellt einigermaßen gleichberechtigt die unterschiedlichen Positionen zum Problemkomplex da, wobei ich manchmal ein unterschwelligen Drall hin zur »Ballerspiele = böse«-Fraktion zwischen den Zeilen gemerkt zu haben meine (allein der Begriff »Ballerspiel« ist ja schon etwas negativ und mag er noch so sehr im Sprachgebrauch verankert sein). Vielleicht ist das aber auch meine Subjektive Interpretation, da die Autorin es anscheinend eher ordentlich mag und somit mit mir nicht viel gemein haben kann, wenn sie ernsthaft Sätze wie diesen ablässt:

»Darunter ein paar postpubertäre Pickelgesichter mit Nietengürteln, Militärhosen oder Totenkopf-Shirts, vor allem aber nette Durchschnittstypen wie Stolle alias Moon.«

Richtig schlimm wird es aber, wenn es um die Materie an sich geht: am Anfang des Artikels wird Wow als »Das Kriegsdrama vor mittelalterlicher Fantasy-Kulisse« bezeichnet, was wohl schon an sich eine der verquersten und unzureichensten Beschreibungen von World of Warcraft ist, die ich bisher gelesen habe. Völlige Unkenntnis zeigt die Autorin dann, wenn das Spiel am Ende des Artikels nochmal (natürlich im Zusammenhang mit Computerspielsucht) genannt wird, wo es plötzlich heißt:

»Jede freie Minute sei für das Schieß-Spiel “WoW” draufgegangen, damals«

Wie genau kommt man dazu solche Fehler zu machen? Man muss ja wirklich überhaupt nichts über WoW wissen und auch nicht mal auf die Seite gegangen zu sein, um es als Schieß-Spiel zu bezeichnen.

Wie immer ist das eigentlich Erschreckende daran, daß man ja davon ausgehen muss, daß solche Fehler ständig und überall passieren, nur daß man sie einem bei Themen, von denen man selbst nicht so viel Ahnung hat niemals auffallen werden. Ich will gar nicht wissen, wie viele falsche Informationen (unwissentlich) über richtig komplexe Themen wie z. B. die Finanzkrise verbreitet werden.

Harry Potter-Hörbücher

Mittwoch, 24. Juni 2009

Ich bin ja von dieser Krankheit befallen, daß ich alles, was irgendwie populär ist, erstmal ablehne. Das beruht natürlich auf der Erfahrung, daß die Masse den denkbar durchschnittlichsten = schlechtesten Geschmack hat (siehe z. B. kommerzielle, nicht-staatliche Radiosender) und als Konsequenz daraus, Dinge, die allgemein gemocht werden, nicht wirklich aufregend oder extraordinär, sprich gut, sein können. Daß man sich dadurch auch eine Menge verschließt wird mir in letzter Zeit immer wieder klar, jüngstes Beispiel ist Harry Potter.

Die Potter-Manie habe ich damals von Ferne beobachtet und irgendwann mal aus Langeweile den ersten Potter-Film teilweise im Fernsehen gesehen, das wurde mir aber sehr schnell öde. Im Goethe Institut in Istanbul widmete eine ältere Ausgabe von Literaturen sich dem Phänomen und als sich mir dann die Möglichkeit, bot Harry Potter als Zeitvertreib auf endlosen Bahnfahrten durch deutsche Lande zu hören habe ich die Chance ergriffen. Die UK-Fassung wohlgemerkt, gelesen vom wunderbaren Stephen Fry.

Und, was soll ich sagen, ich mag Harry Potter. Natürlich ist das keine große Literatur sondern vor allem Unterhaltung (und ja auch deswegen so erfolgreich, es ist das ewige ProblemPhänomen, was in irgendeiner Weise hintergründig oder essentiell ist, kann vom Durchschnittsbürger nicht verarbeitet werden) und es gibt immer wieder Passagen, die für meinen Geschmack zu sehr für eine pupertierende Teenager-Zielgruppe geschrieben sind aber im großen und ganzen wird man halt mehr als gut bedient. Rowling meistert die große Aufgabe der Fantasy-Literatur, einen eigenen, überzeugenden Kosmos zu schaffen bravourös, die Geschichte ist immer wieder spannend und es gibt einen Haufen liebenswerter Charaktere (mein Favourit ist natürlich Luna Lovegood).

Mein Held Wiglaf Droste holte damals auf der Höhe der Potter-Welle zum Rundumschlag nicht nur gegen Harry Potter sondern gegen Fantasy im Allgemeinen aus: »Fantasy ist das Gegenteil von Fantasie, das braucht kein Kind und kein Erwachsener« hieß es da. Das sehe ich anders, Fantasy-Literatur kann im besten Fall auch ein Spiegel der Realität sein und wenn sie es nicht ist, ist mir eine Realitätsflucht auch sehr recht.

SPD epic fail (Update)

Freitag, 19. Juni 2009

Genau wie der Rest der deutschen Blogsphere gelobe ich hiermit feierlich den Sozial-Demokratischen-Internetausdruckern nie mehr die »schlimmeres (=CDU) verhindern«-Stimme zu geben.

Das wär’ wichtig gewesen, trotz Murat Kurnaz, Vorratsdatenspeicherung, Rente mit 67 und all dem anderen Scheiß, den ihr in den letzten Jahren mit zu verantworten hattet, wäre Nein in Richtung Zensursula ein Zeichen in die richtige Richtung gewesen. Aber ihr habt’s entgültig verkackt. Von jetzt an werden nur noch Stimmen an kleine Splitterparteien verschenkt.

Und: Hallo, Grüne? Wie peinlich kann so eine WUMS-Partei eigentlich noch werden, wenn sie bei so einem Thema mit nur 64,71% Gegenstimmen (und 15 Enthaltungen?!?) gegen die FDP (88,52% Gegenstimmen!) verliert? Das ist ja nur armselig.

Update: Apropos »armselig«, die SPD legt nach: ähnlich wie damals bei der Guttenberg-Wahrheitsgenerierung durch SpOn und Wikipedia begründet die SPD-Politikerin Elke Ferner* ihre Zustimmung zum Zensurlula-Gesetzt damit, daß die (auch ihrer Meinung nach) verfassungswidrigen Verträge mit den Providern zur Errichtung der Zensurinfrastruktur ja schon bestehen würden und dieser Misstand »durch eine gesetzliche Grundlage abzuschwächen und ihre negative Wirkung zu reduzieren« sei. Dieser Logik folgend könnte man ja anfangen alles andere was illegal ist gesetzlich zu erlauben, damit die negative Wirkung dieser Verbrechen schwächer wird (wie auch immer das vonstatten geht). Ich schlage vor, wir fangen mit Drogenkonsum und Filesharing an. Verschwiegen wird bei dieser knallharten, logischen Argumentation allerdings auch die andere Hälfte des Kreislaufs, nämlich daß die Verträge mit den Providern geschlossen wurden um das Gesetz durchzuprügeln. Was jetzt als Begründung für das Gesetz genommen werden kann. Wunderschön!

Übrigens: Jörg Tauss ist jetzt unser erster Mann im Bundestag.

*Der SPD-Abgeordete Martin Dörmann schreibt in diesem Brief an den AK-Zensur (hier ein Kommentar des AK) die gleiche Scheiße.

Musik: Sichtbeton/Lunte – Mecklenburg

Donnerstag, 11. Juni 2009

Dieser knapp 40-minütige Track gehört neben Doppelkopfs »Von Abseits« zu dem Besten was Deutscher HipHop so kann. Wobei es sich bei diesem Track nicht um HipHop handelt, sondern um ein Klangwerk, das Beats, Melodien und Samples aus Filmen, vom Bäcker, Radiowecker und anderem zu einem Teppich verwebt, den ich immer wieder mit Begeisterung höre.

Hier ist ein Myspace- und last.fm-Profil, den Track gibt’s bei Archive.org für umsunste.

Walter Moers – »Wilde Reise durch die Nacht«

Donnerstag, 11. Juni 2009

Im Plenum erwähnte J. letztens, als es um Gustave Doré ging, daß Walter Moers seine »Wilde Reise durch die Nacht« ziemlich gut auf Dorés Stiche geschrieben hätte. Und wie das Leben so spielt, entdeckte ich ein paar Tage später zufällig, daß ich die Hörbuchfassung habe, gesprochen von Dirk Bach (der auch schon ein paar von meinen liebsten Terry Pratchett-Hörbuchfassungen seine Stimme geliehen hat).

Ich bin ganz und gar kein Fan von Moers Zamonien-Büchern (zurzeit zumindest, ich weiß aber das sich das vielleicht noch ändern kann), irgendwie packen sie mich nicht sonderlich und ich finde es schrecklich, daß das Buch so von Illustrationen überbordet, daß die eigene Phantasie auf der Strecke bleibt. Das ging mir übrigens bei »The Ladies of Grace Adieu« ähnlich, wobei die Illustrationen dort ja nicht allzuviele sind.

Die »Reise durch die Nacht« ist aber auf jeden Fall sehr zu empfehlen, eine phantastische, um nicht zu sagen traumhafte, Achterbahnfahrt durch ein bizarres Universum, von Herrn Bach sehr gut in Szene gelesen.

Illustration: Max Klinger

Mittwoch, 10. Juni 2009

Ich bin während meiner Diplom-Recherche mal wieder bei meinen Lieblingen angelangt: Symbolismus, Jugendstil, Präraffaeliten, Böcklin, Stuck & Co. Als Neuzugang hab ich grade Max Klinger entdeckt, der vor allem durch sein »graphisches Werk« – wie es so schön heißt – begeistert also Stiche, Radierungen, Zeichnungen etc. Neben den Standard-Themen aus der Mytholigie, also einem Haufen Faunen und Zentauren, gibt’s auch andere komische surreale, traumhafte Bilder und eine Serie, die sich »Dramen« nennt und das zweite unten abgebildete Knallerbild enthält.

Max Klinger
Max Klinger

Max Klinger 2
Max Klinger

Illustration: Wimmelbild in der GEE

Dienstag, 09. Juni 2009

Ich habe mir letztens nach circa 2 Jahren liebäugeln eine GEE gekauft, in der es ein wunderschönes Vektorsuchbild von Axel Pfaender gibt. Sehr inspirierend für Logodesign etc. pp. Ansonsten ist das nicht so unbedingt mein Style, alles sehr clean, wird mir schnell langweilig. Auch wenn’s ein paar feine Sachen zu entdecken gibt.

Die Zeitschrift ist übrigens Spitze, meiner Meinung nach die beste Gamezeitschrift auf dem deutschen Markt, interessante Artikel auch auch Spiele-Machern und Themen rund um Games, nicht nur Spiele-Rezensionen. In der Ausgabe gab’s zum Beispiel eine Fotostrecke mit selbstgezeichneten Karten von Spielern, aus der prä-Internet-Ära, als man halt noch selbst den Stift in die Hand genommen und die Position von Zombies in Resident Evil 1 aufgezeichnet hat.

Animation: »Marin«

Dienstag, 09. Juni 2009

Wieder mal ein Post nicht von ausserhalb der Blogsphere aber das ist einfach zu schön um’s nicht zu posten. Hier also ein wirklich schöner, computeranimierter Kurzfilm von Subinfocom aus Frankreich, die scheinen sowas Gobelins des CGI-Filme zu sein. Die Schule ist mir letztens schon durch den auch wundervollen Café Serré aufgefallen.  Hier ihr Channel auf Vimeo.

Marin from Marin ShortFILM on Vimeo.

Via Chashys Blog.