Archiv für die Kategorie ‘politik’

Streamen oder Downloaden

Dienstag, Dezember 8th, 2009

Cory Doctorow (einer der Vorreiter von Creative Commons und Copyright-Liberalisierung) hat sich beim Guardian darüber Gedanken gemacht, warum Streaming das sog. Download-Problem nicht lösen wird (Streamingservices á la Hulu werden anscheinend als Allheilmittel gegen illegales Downloaden angepriesen, weil durch selbige augenscheinlich ja keine Kopien gemacht werden). Neben dem hohen Traffic, den Streaming verursacht, werden die Menschen seiner Meinung nach aus Unabhängigkeits- und Sammler-Bestrebungen heraus ihre digitalen Musiksammlungen aber nicht in die Cloud auslagern.

Das kann ich nur bestätigen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Last.fm oder die ganzen Klone (Grooveshark, Spotify etc.) meine digitale Offline-Musik-Bibliothek ersetzen werden. Bei Film und Fernsehen könnte das teilweise anders sein …

via Boing Boing

Juli Zeh & Ilja Trojanov beim Chaosradio

Mittwoch, November 18th, 2009

Schon ein bischen her aber ich habe grad entdeckt, daß es am 12.08.2009 ein Chaosradion Express des CCC gab, bei dem Tim Protlove sich mit Juli Zeh und Ilja Trojanov über die Themen ihres damals grade veröffentlichten Buches Angriff auf die Freiheit unterhalten. Wie beim Chaosradio üblich ist das sehr unterhaltsam und sehr lehrreich zugleich, Zeh und Trojanov sind dem Konzept der Sendung entsprechend sehr frei und zu allerlei Albereien aufgelegt, wobei es dann auch immer wieder ernst zur Sache geht zu Themen wie Einschränkung der Privatsphäre durch den lieben Vater Staat etc.

Das Ganze ist eines der interessantesten und klügsten Gespräche, die ich seit langem gehört habe, man merkt Zeh und Trojanov an, daß sie Schriftsteller sind, sie wissen es mit Worten umzugehen (in einer Weise, die konträr zu den peinlichen, leeren Worthülsen der Politiker, um die es auch immer wieder geht, stehen). Dann werden kleine Diamanten eingebaut, wie z.B., wenn Juli Zeh berichtet, wie sie an Gymnasien Lesungen macht und die Schüler »mit zarten 16, 17 Jahren, wo man sich eigentlich überlegen sollte wo man den nächsten Joint kauft, denken die darüber nach, ob sie einen Job kriegen«.

Wie immer echt eine Hörfreude:

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

5 Jahre Firefox für ein freies Internet

Montag, November 9th, 2009

via Netzpolitik

Hier ein hübscher, aber leider etwas ideenloser Clip zum 5jährigen Jubläum des einen Browsers nach dem ich keinen anderen mehr verwenden mag. Ohne Adblock Plus, NoScript, Ghostery und BetterPrivacy für die Privatsphäre, DownThemAll! und Video DownloadHelper zum Clip-speichern, Xmarks für die Bookmark-Synchronisation und so Scherze wie WorldIP und FireGestures, ist das Browsen im Internet nur halb so schön und doppelt so mühsam.

Der Clip weist auf einen ganz wichtigen Punkt hin: Das Internet ist frei. Das hat – wie immer – negative Seiten (Stichwort dokumentierte Kindesmißhandlung) nichtsdestoweniger sollten wir genau wie im realen Leben (→ Überwachungsstaat) dafür kämpfen, daß die überwiegenden positiven Seiten dieser Freiheit nicht eingeschränkt werden, vor allem wenn diese Einschränkungen von der Contentindustrie ausgehen. Der AK-Zensur machte letztens mit einer Presseerklärung auf die Gefahren aufmerksam, die der Netzneutralität durch die ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) drohen.

Wer gerne mal DVDs aus dem Ausland schaut, weiß wie beschissen Regulierungen der Medienindustrie sein können (→ Regioncodes … ).

Zitat des Tages

Montag, Oktober 5th, 2009

»It’s the system, stupid!«

Peter Zudeick (u.a. satirischer Wochenrückblick in div. öffentlich-rechtlichen Radios), zu der Sonntaz-Frage, ob schwarz-gelb die sozialen Bewegungen aufrütteln würde. Zudeick steht zwar auf der »Nein«-Seite und meint, daß die Krise so oder so mit unserem Geld bezahlt wird, egal wer in der Regierung oder der Opposition sitzt, hofft aber gleichzeitig, daß sich die vielen kleinen Organisationen verbinden würden, um den Widerstand zu organisieren.

Deutschland, halt's Maul.

Dienstag, September 29th, 2009

Das war ein schwarzer Sonntag. Genau wie nach der Europawahl will es absolut nicht in meinen Kopf, warum Deutschland in einer WitzWirtschaftskrise eine konservativ-liberale Regierung haben will. Und was es mir sagen will, ist mir ebenfalls schleierhaft. »Wir haben so viel Angst vor Zukunft und Veränderung, daß wir lieber auf einem maroden System beharren als die notwendigen Änderungen anzugehen, weil diese (noch mehr) Risiken bergen«? Eine wie immer mehr als kurzsichtige Einstellung.

René hat’s mal wieder geschafft meine konfusen Befürchtungen in Worte zu fassen. Goodbye, Atomausstieg, Wind- und Solarkraft, Elektroauto, Grundeinkommen, Kulturflatrate, da sind sogar die allerkleinsten Schritte hin erstmal um ein paar Jahre vertagt. Auf Wiedersehen auch zu sinnvollen Maßnahmen gegen Amoklauf und für Schul- und Hochschulreformen, Creative Commons im Wissenschaftsbereich und einem Haufem mehr über den ich jetzt garnicht nachdenken will.

Hallo, ungebremster Finanz- und Börsenwahnsinn, Kohlekraftwerke, Überwachung an allen Orten und Nicht-Orten (a.k.a. Internetz), größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, Einschränkungen im Kündigungsschutz, usw. usf. Viel Spaß mit gestrigen Diskussionen über das Copyright á la Heidelberger Apell und diversem Schwachsinn mehr.

Fuck you, Deutschland.

Wahlkampf '09: Die CDU hat den Arsch offen

Montag, August 31st, 2009

Nachdem letztens eine Dame von der CDU mit ihrer Reduzierung auf ihre und Angies sekundäre Geschlechtsorgane von sich reden gemacht hatte (unter anderem hier bei Spreeblick) fand ich diese Woche folgenden Aufkleber an einem heimischen Stromkasten:

cdu-arschlecken

Das ist doch mal ein recht gelunger Kommentar sowohl zum Thema Öffentliche Entblößung als auch auf die so beliebten Wahlversprechen, die ja schon traditionshalber gebrochen werden müssen. Gleichzeitig war es irgendwie eine Vorankündigung für das, was ich am Wochenende in Kassel entdeckte:

cdu-gehb-vorders

cdu-gehb-ruecks

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das Feindpropaganda ist (kenn’ ich da irgendwelche lokalen Zwistigkeiten/Vorgeschichten nicht?) oder ob der Typ bzw. seine Werbeagentur oder Berater oder wer auch immer das einfach verbockt haben. Ich versteh’s nicht. Auch nicht, was mir die Karte sagen will. Wählen/Dr. Jürgen Gehb ist für’n Arsch? Wtf?

Culture-flatrate

Freitag, August 7th, 2009

I just read an article over at ArsGeek where the author was wondering how copyright infringement and illegal filesharing could be legalized. His suggestions where subscription-sites for legal downloading and/or pay-per-view-systems (specifically on the Pirate Bay which was to be legalized just like Napster but from what I heard the deal is a good as cancelled). However that might evolve, I don’t think that one of these two business-moldels will be there on the long run because both systems are limited to what one site can offer (with whom from the industry they made contracts) and no one is going to register on multiple sites just to get everyting they want, because it’s expensive and a pain in the a.s.s. Of course it works a little for music so it will work with movies to a certain degree but most of the people will still download whithout paying anything from illegal sites.

I gave these things some thoughts recently and I think in the end the only solution is to allow people to download whatever they want from whereever they want when they pay a monthly/yearly fee. The collected money than needs to be distributed to the artists (this will cut out most of the music- and movie-distributing and -marketing people, that’s why they are not really happy with this).

The thinking on how this might be organized (how do figure out a more or less cheat-free way which artist is getting how much money etc.) is just starting and it will probably take a long time until we have a system up and running because it has to be legalized by the law all over the world.

This model is called »Kulturflatrate« (»Culture-flatrate) in Germany.

I could not find the English term or any further reading in English, but this (German-subtlitled but English) video-interview with Danny O’Brian, who is activism coordinator at the Electronical Frontier Foundation, is a good start.

Die Macht des Internet

Samstag, August 1st, 2009

Es kommt in letzter Zeit häufiger vor, daß ich überlege, ob das Internet nicht tatsächlich ein Instrument der direkten Teilhabe an der Politik und dem Weltgeschehen und im besten Falle einer Revolution sein könnte, auch wenn letzteres sogar/auch in meinem Sprachgebrauch ein sehr negativ besetztes Wort ist.

Das erste Mal, daß ich solche Überlegungen anstellte war, als Markus Beckedahl von netzpolitik.org nach der Veröffentlichung eines internen Papiers im Zuge des Datenschutzskandals der Bahn abgemahnt werden sollte. Das machte seine Runde in der Blogsphere und erreichte von dort sogar die Printmedien, konkret die Titelseite der taz, mit der Konsequenz, das die Bahn den Schwanz einzog.

Nun gibt es ein weiteres Beispiel aus meiner Studienstadt BS-Town*, unserer »sympatischen Großstadt«**. In der (weiteren) Stadt, die es gar nicht gibt, soll es nach Willen des Ordnungsamtes bitte auch keine Flashmops geben. Dank dem Internet wird jetzt am 8.8. zwischen 16 und 18 Uhr unter Umständen das Gegenteil der Fall sein.

Das ist natürlich alles andere als eine Revolution und vielleicht wäre ich, wenn ich grade das Aufkommen des Fernsehens mitbekommen würde von ähnlichen Geschichten ähnlich begeistert und nach 50 Jahren sehr enttäuscht, weil nichts passiert ist. Oder es wird diesmal anders und wir können tatsächlich was verändern. Glauben tue ich das als alter Pessimist natütlich nicht, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

*Überregional hauptsächlich bekannt wegen des echt schlauen Verhaltens unseres geliebten Over-Bürgermaestros – und auch ich will nicht vergessen es zu erwähnen: Ex-NPD-Mitglieds – Gert Hoffmann gegenüber einer der wenigen coolen Säue, die in Braunschweig leben: Hartmut el Kurdi.

**nach einem Schild neben der grotesken Wandverschönerung in Form von stilisierten Braunschweiger »Sehenswürdigkeiten« in meinem ehemaligen Lieblings-Oma-Edeka.

Ballerspiel-Berichterstattungs Fail

Donnerstag, Juli 30th, 2009

Ich hab irgendwie die sehr naive Vorstellung, daß Journalisten sich mit der Materie auskennen sollten über die Sie schreiben. Daß das völlig realitätsfremd ist und meist einfach nur ein bischen recherchiert und dann ein Artikel zurechtgestückelt wird, will ich irgendwie nicht wahrhaben. Ist aber natürlich so. Traurig sind dann so Sachen, wie dieser Artikel im UniSpiegel über einen professionellenCounterstrike Spieler. Grade von der Studentenausgabe vom Spiegel würde man ja vermuten, daß sie ein bischen mehr dran sind an der Materie. Leider scheint hier aber mal wieder jemand am Werk gewesen zu sein, die von der Materie wenig bis keine Ahnung hat.

Der Artikel ist das übliche Blah-Blah für Leute, die das erste Mal was über das Thema lesen und stellt einigermaßen gleichberechtigt die unterschiedlichen Positionen zum Problemkomplex da, wobei ich manchmal ein unterschwelligen Drall hin zur »Ballerspiele = böse«-Fraktion zwischen den Zeilen gemerkt zu haben meine (allein der Begriff »Ballerspiel« ist ja schon etwas negativ und mag er noch so sehr im Sprachgebrauch verankert sein). Vielleicht ist das aber auch meine Subjektive Interpretation, da die Autorin es anscheinend eher ordentlich mag und somit mit mir nicht viel gemein haben kann, wenn sie ernsthaft Sätze wie diesen ablässt:

»Darunter ein paar postpubertäre Pickelgesichter mit Nietengürteln, Militärhosen oder Totenkopf-Shirts, vor allem aber nette Durchschnittstypen wie Stolle alias Moon.«

Richtig schlimm wird es aber, wenn es um die Materie an sich geht: am Anfang des Artikels wird Wow als »Das Kriegsdrama vor mittelalterlicher Fantasy-Kulisse« bezeichnet, was wohl schon an sich eine der verquersten und unzureichensten Beschreibungen von World of Warcraft ist, die ich bisher gelesen habe. Völlige Unkenntnis zeigt die Autorin dann, wenn das Spiel am Ende des Artikels nochmal (natürlich im Zusammenhang mit Computerspielsucht) genannt wird, wo es plötzlich heißt:

»Jede freie Minute sei für das Schieß-Spiel “WoW” draufgegangen, damals«

Wie genau kommt man dazu solche Fehler zu machen? Man muss ja wirklich überhaupt nichts über WoW wissen und auch nicht mal auf die Seite gegangen zu sein, um es als Schieß-Spiel zu bezeichnen.

Wie immer ist das eigentlich Erschreckende daran, daß man ja davon ausgehen muss, daß solche Fehler ständig und überall passieren, nur daß man sie einem bei Themen, von denen man selbst nicht so viel Ahnung hat niemals auffallen werden. Ich will gar nicht wissen, wie viele falsche Informationen (unwissentlich) über richtig komplexe Themen wie z. B. die Finanzkrise verbreitet werden.

SPD epic fail (Update)

Freitag, Juni 19th, 2009

Genau wie der Rest der deutschen Blogsphere gelobe ich hiermit feierlich den Sozial-Demokratischen-Internetausdruckern nie mehr die »schlimmeres (=CDU) verhindern«-Stimme zu geben.

Das wär’ wichtig gewesen, trotz Murat Kurnaz, Vorratsdatenspeicherung, Rente mit 67 und all dem anderen Scheiß, den ihr in den letzten Jahren mit zu verantworten hattet, wäre Nein in Richtung Zensursula ein Zeichen in die richtige Richtung gewesen. Aber ihr habt’s entgültig verkackt. Von jetzt an werden nur noch Stimmen an kleine Splitterparteien verschenkt.

Und: Hallo, Grüne? Wie peinlich kann so eine WUMS-Partei eigentlich noch werden, wenn sie bei so einem Thema mit nur 64,71% Gegenstimmen (und 15 Enthaltungen?!?) gegen die FDP (88,52% Gegenstimmen!) verliert? Das ist ja nur armselig.

Update: Apropos »armselig«, die SPD legt nach: ähnlich wie damals bei der Guttenberg-Wahrheitsgenerierung durch SpOn und Wikipedia begründet die SPD-Politikerin Elke Ferner* ihre Zustimmung zum Zensurlula-Gesetzt damit, daß die (auch ihrer Meinung nach) verfassungswidrigen Verträge mit den Providern zur Errichtung der Zensurinfrastruktur ja schon bestehen würden und dieser Misstand »durch eine gesetzliche Grundlage abzuschwächen und ihre negative Wirkung zu reduzieren« sei. Dieser Logik folgend könnte man ja anfangen alles andere was illegal ist gesetzlich zu erlauben, damit die negative Wirkung dieser Verbrechen schwächer wird (wie auch immer das vonstatten geht). Ich schlage vor, wir fangen mit Drogenkonsum und Filesharing an. Verschwiegen wird bei dieser knallharten, logischen Argumentation allerdings auch die andere Hälfte des Kreislaufs, nämlich daß die Verträge mit den Providern geschlossen wurden um das Gesetz durchzuprügeln. Was jetzt als Begründung für das Gesetz genommen werden kann. Wunderschön!

Übrigens: Jörg Tauss ist jetzt unser erster Mann im Bundestag.

*Der SPD-Abgeordete Martin Dörmann schreibt in diesem Brief an den AK-Zensur (hier ein Kommentar des AK) die gleiche Scheiße.