Monthly Archives: January 2006

»Swing Girls«

Okay, bester Film seit langem.

Ähnlich wie bei »Kiki’s Delivery Service« stellt sich während und nach dem gucken dieses wunderbare »Hach-ist-das-schön«-Gefühl ein, dies ist ein Film ohne wirkliche Konflikte, ohne Drama, Mord, Totschlag oder Gore einfach nur eine witzige, mitreissende Kömodie über ein paar Schulmädchen, die eine Jazz-Bigband gründen.

Dem Regisseur Yaguchi Shinobu, gelang ja schon 2001 ein Achtungserfolg mit seinem Film »Waterboys«, der in ganz ähnlicher Weise wie »Swing Girls« von einem Haufen eher »uncooler« Jungs erzählt, die eine Synchronschwimmgruppe bilden. Ich hatte den Film im Kommunalen Kino gesehen und war eigentlich nur reingegangen, weil es der einmal im Monat laufende japanische Film war. Aber auch schon der Film bewirkte, was man nur bei recht wenigen Filmen erfährt, daß man begeistert und voll guter Hoffnung aus dem Kino kommt. Und genau so verhält es sich mit »Swing Girls« auch.

Und genau wie in »Waterboys« zeigt auch dieser Film ein paar schöne Eindrücke aus dem japanischen Alltag und der Schulzeit, oder dem was das japanische Kino uns typischerweise transportiert. Trotzdem und genau deswegen natürlich alles ganz herzallerliebst. Ein paar richtige Lacher gab es übrigens auch, wie zum Beispiel ein Mann, der eher unbeabsichtigt einen Hügel herunterfährt und sich ein paarmal dabei überschlägt und unten einfach weiterfährt als sei nichts gewesen. Oder wie die Damen von der Big Band im Fahrstuhl eines Supermarktes die nach oben zu transportierenden Schaufensterpuppen abknutschen, was die oben Wartenden natürlich etwas verwirrt.

So, als nächste muss dann wohl irgendwie »Give it all!« / »Ganbatte ikimasshoi!« ran, da geht es um eine Mädchenrudermannschaft, daß kann ja auch nur wieder schön werden.

jfml | film, reviews | | Kommentare geschlossen | Monday, January 30th, 2006

Servicewüste Deutschland

Hallo? Wie kann das bitte sein, daß am Sonntag morgen (11:30) von 3 Bäckereien 0 aufhaben? Verdammt, ich will in Amerika leben oder Schweden wo sogar in so kleinen Kaffs wie Borgholm oder Eksjö die Supermärkte am Wochenende geöffnet haben. Schon mal was von »öppet alla dagar 10:00-22:00« gehört, Deutschland?

jfml | ansagen, tagebuch | | Kommentare geschlossen | Monday, January 23rd, 2006

»Suicide Club« / »Suicide Circle«

Tja, genau wie midnighteye.com bin ich nicht so wirklich überzeugt von dem Film. Das fing schon bei der sagenumwogenen ersten Szene an, in der ja 50 Schulmädchen gemeinsam vor eine S-Bahn springen. Mal abgesehen von der Tatsache, daß das meiner nicht wirklich professionellen Meinung nach im wahren Leben nicht funktionieren würde, bin ich was Suizid betrifft wenig strapzierfähig, wenn ich das Thema auf eine homuristische Art nehmen soll. Was bei dieser Gore-Sequenz ja wohl Sinn der Sache ist.

Der Film ist ganz witzig, wieder inklusive einer Gesangseinlage (und ein paar sehr bösen vom Band…..) aber mehr leider auch nicht. Im Gegensatz zu den Filmen von David Lynch, an den der Film in seinen besten Momenten schon etwas erinnert, finde es im höchsten Maße unbefriedigend, daß es nicht erklärt wird, warum sich diese Jugendlichen alle unbringen. Und genau wie die Rezensend bei midnigteye.com hatte ich auch schon beim anschauen des Films das Gefühl, daß er sehr uneinheitlich und aus vielen verschiedenen Genre-Versatzstücken und einzelnen Ideen des Autors zusammengestückelt ist.

Von so Knallerfilmen wie »Uzumaki« oder »Gozu« ist dieser Film auf jeden Fall meilenweit entfernt.

Toll, ich hätte lieber ein Review zu »Kiki’s Delivery Service« schreiben sollen als meine Energie herein zu verschwenden. Na ja, vielleicht Morgen. Guckt den, der ist toll.

»Death Note« Vol. 1

Das war ja mal wieder witzig, nachdem mein nicht nur unaufgeräumter sondern auch immer wieder inkompetenter Comicladen hier in Braunschweig nicht fähig war mir “Death Note” aus der USA zu bestellen, dachte ich mir, ich versuche es über meinen neuen Lieblingsladen am hannoverschen Bahnhof “Comics am Raschpaltz”. Die mir immerhin sagen konnten, daß man von VIZ aufgrund von Import- oder sonstigen Beschränkungen überhaupt nichts bestellen kann, ich solle es aber mal bei amazon.de versuchen, die hätten wohl irgendwie connections. Gesagt getan, alles kein Problem, innerhalb von drei Tagen war der erste Band da.

Amazon entwickelt sich sowieso in letzter Zeit immer mehr zu einem meiner persönlichen Lieblinge, von jemand anderem hatte ich letztens den Tip bekommen, daß man dort auch die einzige, vernünftige DVD von “House of Flying Daggers” bekommen könnte, nachdem sich ja die deutsche DVD für jeden Filmfan als Lachnummer herausstellte, weil es zwar eine Originaltonspur aber sinnigerweise keine Untertitel gab und die bei eBay angebotenen (anscheinend tatsächlich) offiziellen Hong Kong DVD’s über VCD-Qualität nicht herauskommen, was bei so einem bildgewaltigen Film auch echt mal nicht schön ist. Amazon bietet die englische DVD mit Untertiteln und hoffentlich guter Codierung an.

Zurück zu “Death Note”, ich hatte das Preview als Scanlation gelesen und war sowohl von der echt mal einfallsreichen Story als auch von dem sehr präzisen und schönen Stil von Obata Takeshi sehr begeistert . Die Idee, daß ein Todesgott, das Buch in das er die Namen der Leute einträgt, die sterben müssen, “verliert” und dieses dann von einem Menschen gefunden wird hört sich erstmal ein bischen an den Haaren herbeigezogen an, von diesem Ausgangspunkt entwickelt sich der Manga aber zu einem der besten, die seit langem das Licht der westlichen Welt erblickt haben. Denn im Gegensatz zu dem Preview entscheidet sich der Finder, ein Musterschüler namens Light, sich im fortlaufenden Manga dann dafür mit Hilfe dieses Buches die Welt von Verbrechern zu befreien. Ich musste mich ein bischen damit anfreunden, daß die Hauptperson des Mangas weniger der liebe, rechtschaffende Junge der Preview, als vielmehr ein immer größenwahnsinniger werdendes, leicht egozentrisch wirkendes Superhirn ist. Seine Säuberungsaktionen rufen dann natürlich auch alsbald einen Gegenspieler von Interpol auf den Plan, den ebenso geheimnisvollen wie coolen L, der als Zeichen seiner coolness auch mal einen netten Apple G4 als Arbeitsgerät benutzt. Sehr schön.

Also, trotz der haarstäubenden Ausgangsitiation ist “Death Note” einer der besten und vor allen Dingen spannensten Manga, die ich seit langem gelesen habe unn natürlich dem meisten, was auf den deutschen Mangamarkt geschleudert wird sowohl inhaltlich als auch zeichnerisch weit überlegen. Also Augen offenhalten und nichts böses tun, wenn ihr nicht an Herzattacken sterben wollt.

»Dead End Run«

O Mein Gott! Die Japaner haben es mal wieder drauf! Der neue Film von Sogo Ishii, auf den ich nach dem Knaller “Electric Dragon 80.000 Volt” schon sehnsüchtig gewartet hatte, ist natürlich (sehr wahrscheinlich sogar gottseidank) ganz anders als eben dieser und obwohl ich deswegen schon etwas enttäuscht war, bin ich trotzdem auch sehr begeistert.

Der Film beschreibt in drei Episoden jeweils den weiteren Verlauf einer Geschichte nachdem die Hauptperson (immer jeweils mit einem sehr stylischen Mantel bewaffnet) in eine Sackgasse gelaufen ist. Man verzeiht dem Film die Inkonsequenz, daß die letzte Episode auf dem Dach eines Hochhauses spielt und nicht wie die anderen beiden jeweils in der selben Sackgasse vor allem deswegen, weil diese die bei weitem schönste (auch farblich), wenn auch nicht gerade originellste ist.

Vor allem weil sich die letzte Episode von der Farblichkeit so von den anderen unterscheidet, sie spielt im Gegesatz zu den anderen Episoden tagsüber und ist so in klaren, stahlenden Farben gehalten während die anderen farblich eher zurückgenommen sind, wirkt der Film in seiner Gesamtheit etwas uneinheitlich bietet aber eine wunderbare Mischung aus Gesangseinlage, Yakuza-Showdown und Geiseldrama.

Sogoo Ishii serviert hier frisches japanisches Kino wie wie man es von Regisseuren wie Sabu gewohnt ist und diese Frische macht auch den manchmal etwas übertriebenen visuellen Style und die etwas amateurhaft eingesetzte Nebelmaschiene (von aus dem Lastwagen geworfenen Federn in der letzten Episode ganz zu schweigen) wieder wett. Amateurhaft ist hier wohl das Stichwort, aber in einem sehr positiven Sinne, lieber diese, etwas an einen Hoschulabsolventen-Streifen erinnernde, Lockerheit als die verbissene und vollkommen lächerliche Trashigkeit, die Ryuhei Kitamura uns, in dem nur unter komödiantischen Gesichtspunkten als gut zu bewertenden, “Godzilla: Final Wars” serviert.

Auch wenn das hier alles andere ist als ein zweiter »Electric Dragon« ist, kann man dem nächsten Film von Sogo Ishii mit freudiger Erwartung engegensehen.