Monthly Archives: November 2005

Haruki Murakami – »After Dark«

Haruki Murakami ist zurück! Nach dem eher mittelguten »Kafka am Strand« jetzt ein aktuelles Werk, das ein Kleinod im wahren Sinne des Wortes ist. In sehr, kurzes, kompaktes Buch, daß sich wunderbar lesen lässt und obwohl es nicht den whiskeytrinden, arbeitslosenden Mittvierziger zum Helden hat wegen dem ich Haruki Murakami so schätze, vereint dieses Buch doch alle Eigenschaften, die seine Werke so einzigartig machen: wunderbare Beschreibungen des japanischen Alltags, die in jedem, der regelmäßig japanische Filme sieht und liebt wohlige wohlige Gefühle hervorrufen wird, gepaart mit einer einzigartigen Mystik, die auf seltsame Weise diesen Alltag aufbricht ohne im gerinsten esoterisch zu wirken.

Das Buch ist vor allem so gut, weil es so reduziert ist. Während »Kafka am Strand« teilweise etwas ziellos wirkte beschränkt sich Murakami in diesem Buch auf eine einzige Nacht und ein paar Orte und schafft es trotzdem Charaktere aufzuzeichnen, die sich entwickeln und die man liebgewinnt. Auch sehr schön ist es, daß es keine billige Erklärung für die phantastischen Teile des Buches gibt.

Ein einziges etwas störendes Manko hat das Buch: Murakami verwendet hier teilweise ein literarisches Mittel zur Beschreibung von Beobachtungen, die mehr als stümperhaft wirkt: Er führt eine Kamera oder ein Auge ein, dessen Sicht in der »Wir«-Form beschrieben wird. Dies soll wahrscheinlich den jeweiligen Passagen des Buches einen filmischen touch geben, allerdings wirkt es zumindest in der deutschen Übersetzung mehr als plump, wenn Murakami sagt »Wir fahren noch etwas näher an die Schlafende heran,…«. Diese Passagen lesen sich wie Auszüge aus einem Drehbuch, haben aber in Murakamis wunderbaren Büchern nichts verloren. Unverständlich warum er dieses Mittel eingeführt hat bleibt dies vor allem, wenn man bedenkt, wie gewandt er sonst mit Worten umgeht, da es ihm eigentlich leicht hätte fallen müssen solche Szenen im Kopf des Lesers zu erzeugen ohne mit einer Haudrauftaktik eine Kamera zu installieren um dem Leser zu zeigen wie diese Szenen gemeint sind.

Bleibt zu hoffen, das es sich hierbei um einen Ausrutscher in diesem ansonsten wunderbaren Buch handelt.

jfml | literatur, reviews | | Kommentare geschlossen | Sunday, November 20th, 2005

»Casshern«

Genau wie »Ghost in the Shell – Innocence« einer dieser Filme, die ich beim ersten Mal eher geht so finde und dann beim zweiten Mal recht begeistert bin.

»Casshern« ist ein Effektfeuerwerk sondergleichen, aber im Gegensatz zu den meisten Hollywood-Produktionen dieser Art sind die CGI’s nur an sehr wenigen Stellen störend. Erfreulich selten meint man, daß es jetzt doch vieleicht ein bischen weniger getan hätte. Erstaunlicherweise schafften die Macher es durch die massive farbliche Nachbearbeitung der Realszenen diese sehr gut mit den computergenerierten Teilen zu verbinden, so daß zumeist ein sehr einheitliches Bild entsteht. Natürlich ist auch die nachträgliche Colorierung und andere Effekte, ich sage nur »Bearbeiten -> Effekte -> Glow«, an einigen Stellen übertrieben, aber all das bewegt sich noch gerade im Bereich des Erträglichen.

Natürlich ist »Casshern« Blockbuster-Kino erster Güte, der merkwürdige altertümliche 50er-Jahre-Sci-Fi-Stil, dessen Vater wohl »Dark City« ist, der aber in letzter Zeit irgendwie zum Mainstream verkommt, wirkt leider etwas abgekaut, nichtsdestotrotz ist »Casshern« um Längen besser als andere »neue« Science-Fiction Filme wie zum Beispiel »Equilibrium«. Der direkte Vergleich mit »Sky Captain and the World of Tommorow« wäre hier sicher interessant und angebracht, allerdings habe ich den Film bisher nicht gesehen.

Inhaltlich ist »Casshern« überraschend stark. Während das meiste Effektkino ja weder mit einer brillianten Story (über die ich mir auch bei Casshern mal kein Urteil erlauben will) noch mit so etwas wie brillianten Tiefgang aufwarten kann beschäftigt sich »Casshern« – leider teilweise weit hinter der Grenze zum Kitsch – mit Themen wie Krieg, Genozit, Wiederauferstehung, Klonen etc. So wird der Film zu einer bildgewaltigen Parabel über Gewalt und Liebe, Vergeben und Hass und kann insofern zumindest als Anwärter für einen Science Fiction-Klassiker gesehen werden, die sich ja immer auf philosophischer Ebene mit den grundlegenden Fragen unseres Dasseins beschäftigen, was Hollywood leider vergessen zu haben scheint.

Schade ist, daß die Rolle der Luna – wie in solchen Filmen ja gern – relativ farblos und unbedeutend wirkt. Starke Frauen, die einen gleichberechtigten Part in der Geschichte spielen und nicht nur schmachtendes, ästhetisches Beiwerk sind, ist in dieser Art des Kinos wohl immer noch Utopie. Trotz alledem ist der Film grade wegen seiner beiden Hauptdarsteller ein Augenschmaus, es macht Spaß Tetsuya mit seinem an »Blame!« gemahnenden Anzug und seinen vemeindlichen Gegenspieler mit den weissen Haaren, der merwürdigen Frisur und dem blendend roten Umhang zuzusehen.

Indierock

ist übrigens die Hassmusikrichtung der Stunde. Falls es jemandem noch nicht aufgallen ist.

jfml | ansagen, musik | | Kommentare geschlossen | Saturday, November 19th, 2005

»Comedy«*

Hübscher kleiner Anime des japanischen Studios 4°. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles verstanden habe, da ich nur eine Version aus dem Netz im Original mit französischen Untertiteln gesehen habe, aber wie’s ausshiet geht es doch um ein Mädchen, das ein Buch besorgt, um es einem Mann als Lohn oder Überredung zu bringen, damit er ihr Dorf vor feindlichen Truppen beschützt, oder? Ich sollte das nochmal recherchieren.

Auf jeden Fall schöne Farben, schöne Hintergründe und zumindest von dem Mädchen, daß sehr an das aus »Angel’s Egg« erinnert auch schönes Characterdesign – da sind auch die übergroßen Füße okay, die bei der männlichen Hauptperson eher stören und sie sehr lächerlich aussehen lassen. Das klassische Stück, das als Soundtrack dient ist ist nicht so wirklich nach meinem Geschmack aber es passt sehr gut zum Film.

Den rätselhaften Titel kann ich mir nur damit erklären, daß es sich bei dem Buch, daß das Mädchen dem Krieger als Lohn bringt, um ein Stück dieser Gattung handeln muss, was recht logisch wäre, da dieser ja am Ende (?) seiner Lektüre lacht.

Schöner Film, wenn es nur mehr so Zeug geben würde und es einem dann auch noch über den Weg laufen würde.

Update: Jupp, gemeint ist hier Comedy/Kigeki (2002).

Sometimes Life’s a *****

Na toll! Da hat man sich entschlossen sich aufzuraffen und nicht zum siebten mal »Das Fünfte Element« zu gucken sondern zu »Tiger Lou«, »Amanda Rogers« und irgend so einem Elektrohonk zu fahren, quer durch die ganze Stadt, in finsterster Dunkelheit und beißenster Novemberkälte und dann ist es einfach mal ausverkauft!

Und sogar Videobastard, der immer aufhat und wo ich mir als Ausgleich und damit die lange Fahrt nicht ganz umsonst, war einen Film geben wollte, war geschlossen. Sonntags um 10:00? Mein »El Bastardo del Video« der IMMER auf hat? Argh!

Aber wenigstens war der Himmel auf dem Rückweg ganz herzallerliebst, halbtransparente Schäfchenwolken die vor dem Mond eilig dahintreiben.

Sometimes Life’s a Goddess.

»Last Exile« #1

Das war ja mal nur derbe.

Wie es sich bei einer ersten Episode gehört, habe ich keinen Plan worum es genau gehen soll, aber die Designs sind wunderbar, Erinerungen an die schönen Flugszenen in »Porco Rosso« und »Laputa« bahnen sich bei mir an. Auch dieser 18th-Century-look ist sehr gut, hier kann man dann Parallen zu »Steamboy« sehen und wenn die Charactere »Claus« heißen hat man immer wieder Spaß an der Originalfassung. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese sich anbahnende Kriegsstory toll finden soll, aber mit Sicherheit werden sie auch noch andere Elemente einstreuen und dann ist es okay.

Dies war zwar der Pilot, insofern kann es sein, daß die Qualität bei der nächsten Folge doch ein bischen abnimmt, aber diese Episode war echt irre. Kinoqualität. Und gute CGI, sie haben es einfach drauf die Japaner, wenn einer das vernünftig hinbekommt Computereffekte mit Cel-Animation zu verbinden dann natürlich sie, war klar.
»GitS 2« war noch so die Aufwärmphase aber jetzt sind sie auf einem echt guten Weg in eine perfekte Verschmelzung hinzubekommen, die mir echt Spaß macht.

Ich glaube ich bin kein Fan von den Charakterdesigns der Hauptdarsteller – vor allem nicht von Lavi – die sind mir zu kindlich, da ist mir dieser junge Soldat Moran (?) doch sympatischer. Aber Hallo?, diese Animationsqualität, fantastisch. Stimmige, aufwendige Farbgebung, gut studierte Bewegungen, schönes Spiel mit Licht und Schatten.

Mehr davon!

jfml | anime, reviews | | Kommentare geschlossen | Saturday, November 12th, 2005

Tokyo Hotel

werden hiermit offiziell für den Award »lächerlichstes Pop-Phänomen des Jahres« nominiert. Zusammen mit Julia Stürmer und den ganzen anderen pseudo-alternativen Deutschrock-Idioten. Herzlichen Glückwunsch.

jfml | ansagen, musik | | Kommentare geschlossen | Saturday, November 12th, 2005